20. 05. 2021
Verfasst von: Christina Amrhein-Bläser
Digitalisierung im Stall entlastet Tierwirte
In der Landwirtschaft liegen große Potenziale für den Einsatz digitaler Technologien. Das Start-up corvitac entwickelt mit dem Pig-Counter ein vollautomatisches Zählsystem, das Tierwirte bei ihren aufwändigen Dokumentationsaufgaben unterstützt.
Automatisiertes Kamerasystem zählt Schweine
Zunehmende Dokumentations- und Organisationsaufgaben haben die Arbeit in der Landwirtschaft stark verändert. Existenzgründer Manuel Sprehe weiß, wovon er spricht: „Als Kind habe ich meinem Vater regelmäßig bei seiner Arbeit als Ackerbauer und Schweinehalter geholfen und ihn zum Beispiel bei der Tierkontrolle unterstützt. Heute findet ein Großteil seiner Arbeit im Büro statt.“ Viele Landwirte könnten mittlerweile nur noch selten im Stall sein, erzählt Manuel Sprehe. Dadurch ginge viel Erfahrung und Zeit verloren, um etwa frühzeitig Krankheiten oder andere Probleme bei den Tieren zu erkennen. „Mit unserem Unternehmen wollen wir die Bürokratie soweit automatisieren, dass mein Vater, seine Kolleginnen und Kollegen wieder mehr Zeit haben, sich selbst um die Tiere zu kümmern.“
Kontrolle und Dokumentation vereinfachen
Das Gründungsteam corvitac ist vom Mechatronik-Zentrum Hannover der Leibniz Universität betreut und von einem EXIST-Gründerstipendium unterstützt worden. Zusammen mit Timo Kaiser und Yiyun Luo hat Maschinenbauingenieur Manuel Sprehe ein Kamerasystem entwickelt, welches Tiere automatisiert erfasst und damit Kontroll- und Dokumentationsaufgaben deutlich beschleunigt und vereinfacht. Der Pig-Counter zählt Schweine während der Umstallung fehlerfrei, speichert die Tieranzahl, übermittelt sie an entsprechende Meldedatenbanken und belegt den Tierzustand. Die Daten lassen sich automatisch im betriebsinternen Qualitätsmanagementsystem speichern. Zusätzliche Hardware oder RFID-Ohrmarken sind nicht notwendig.
Automatisiertes Zählen reduziert Stress für Tiere
„Die Schweine leben je nach Altersstufe in speziell dafür ausgelegten Sauen-, Ferkel- oder Mastställen“, erläutert Manuel Sprehe. „Üblicherweise werden die Tiere mindestens zweimal pro Umstallung durch das Personal von Hand gezählt.“ Selbst in kleinen Betrieben sei die Zählung zeitaufwändig, „und jeder Fehler führt zu einem Umsatzverlust, wenn der Landwirt die Tiere verkauft“, berichtet er. Der automatisierte Zählprozess entlaste nicht nur den Landwirt zeitlich und finanziell, sondern reduziere auch den Stress für das Tier. „Mit dem gesicherten Videomaterial kann der Landwirt zudem die Haltungsqualität transparent gegenüber der Gesellschaft nachweisen“, hebt der Gründer einen weiteren Vorteil hervor. Nach der Markteinführung arbeitet sein Team nun an der modularen Erweiterung des Produktes und an der Internationalisierung des Vertriebs, um die landwirtschaftliche Qualitätssicherung weiter zu digitalisieren.
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30169 Hannover
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